inselkonzert am 17.12.25
Jahresabschlusskonzert mit
Axel Dörner - Trompete
Georges Paul - Bariton- und Tenorsaxophon
Start: 19:30, Doors: 19:00
Eintritt frei, Spenden erbeten
Am 17. Dezember 2025 kehren Georges Paul und Axel Dörner in die Berliner Galerie world in a room (Brunhildstraße 7, 10829 Berlin) zurück – erstmals seit ihrem eindrucksvollen Gastspiel im März 2024. In ihrem Duo entsteht ein Klangraum radikaler Offenheit, in dem Saxophon und Trompete nicht als Stimmen traditioneller Linien erscheinen, sondern als Laboratorien klanglicher Transformation. Pauls eruptive, spektral gefasste Saxophontexturen treffen auf Dörners mikrotonale Atemarchitekturen und formen ein Gefüge, das sich permanent zwischen Geräusch, Ton und Stille neu organisiert. Nichts strebt hier nach Auflösung: Reibung, Fragmente und flüchtige Verdichtungen werden zum Motiv eines gemeinsamen Hörens, das die Grenzen beider Instrumente befragt. Das Duo entfaltet eine fragile, zugleich hochintensive Topographie des Moments: ein Konzert, das den Raum in Bewegung versetzt und das Publikum in die vibrierenden Zwischenzonen freier Improvisation führt. Der Abend gliedert sich in zwei Sets: ein erstes, das ausschließlich die akustische Begegnung von Saxophon und Trompete fokussiert, und ein zweites, in dem Analogsynthesizer und elektronische Interventionen das Duo in eine erweiterte, pulsierende Klangarchitektur überführen.
On December 17, 2025, Georges Paul and Axel Dörner return to the Berlin gallery world in a room (Brunhildstraße 7, 10829 Berlin) – for the first time since their impressive performance in March 2024. Their duo creates a soundscape of radical openness, in which saxophone and trumpet appear not as voices of traditional lines, but as laboratories of sonic transformation. Paul's eruptive, spectrally rendered saxophone textures encounter Dörner's microtonal breath architectures, forming a structure that constantly reorganizes itself between noise, tone, and silence. Nothing here strives for resolution: friction, fragments, and fleeting condensations become the motif of a shared listening experience that questions the boundaries of both instruments. The duo unfolds a fragile yet highly intense topography of the moment: a concert that sets the space in motion and leads the audience into the vibrant liminal spaces of free improvisation. The evening is divided into two sets: a first that focuses exclusively on the acoustic encounter of saxophone and trumpet, and a second in which analog synthesizers and electronic interventions transform the duo into an expanded, pulsating sound architecture.
Georges Paul – Bariton- & Tenorsaxophon
Die Musik von Georges Paul entfaltet sich als eine explosive Dekonstruktion klanglicher Materie, in der der Klang zugleich als physisches Phänomen und als Ort kritischer Reflexion zwischen Transformation und Immanenz begriffen wird. In seinem Schaffenwerden vermeintliche Gegensätze: Komposition und Improvisation, Geräusch und Ton, Akustik und Elektronik, nicht versöhnt, sondern unterwandert. So entstehen Brüche im binären Denken, das den musikalischen Diskurs oft bestimmt. Mit erweiterten Spieltechniken, zersplitterten Klangfarben und spektraler Dichte als struktureller Kraft formt Paul ein volatiles, sich unaufhörlich veränderndes Klangfeld. Seine Musik sucht keine Auflösung, sondern verweilt in Spannung, Zerfall und Aufhebung. Klänge werden auseinandergezogen, neu zusammengesetzt oder bewusst in der Schwebe gelassen und der Widerspruch wird hier zum Auslöser ästhetischer Energie. In der Unvorhersehbarkeit und im Exzess offenbart sich eine dialektische Praxis der Störung, in der jeder Klanggestus sein eigenes Werden befragt. Seine Musik verweigert einfache Narration; sie operiert in Zwischenräumen, in denen Lautstärke, Tonhöhe und Dauer relational und fluide erscheinen. Pauls Auftritte entfalten sich wie abstrakte Topographien des Hörens: nicht- linear, haptisch, von eruptiver Intensität aufgeladen.
Axel Dörner – Trompete
Axel Dörner ist eine der einzigartigsten Stimmen der freien Improvisation. Ende der 1990er Jahre entwickelte er eine völlig neue Sprache für die Trompete. Dörners Musik entzieht sich konventioneller Tonalität und öffnet Räume, in denen Klang zu einer unmittelbaren Erfahrung von Materie, Bewegung und Zeit wird. In seinem Spiel verschränken sich Improvisation und Konzeption, Geräusch und Resonanz, Tonalität und Stille, ohne dass eine Synthese erzwungen wird – vielmehr entsteht eine Spannung, die Hören und Denken gleichermaßen herausfordert. Mit erweiterten Techniken, Mikrointervallen und multiplen Atemstrukturen formt Dörner ein klangliches Gefüge, das sich beständig zwischen verschiedenen klanglichen Zwischenräumen bewegt. Jede Phrase wird zur Untersuchung der Grenzen und Möglichkeiten der Trompete, jede Artikulation zu einem Versuch, Atem, Klang und Materie in unvorhersehbare Wechselwirkungen zu bringen. Die meisten Ensembles, in denen er spielt, zeichnen sich durch eine nicht-hierarchische Zusammenarbeit der beteiligten Musiker*innen aus, in der kollektive Entscheidung, Zuhören und Reaktion die musikalische Struktur prägen. Seine Auftritte sind intensive, unmittelbare Erlebnisse: vielschichtig, dynamisch und von überraschenden Klangentwicklungen sowie hoher Präsenz geprägt. Seine Diskographie umfasst derzeit mehr als 150 CDs und LPs.
inselkonzerte
Fotografie und experimentelle Musik im Dialog: Zeitgenössische Fotokunst und experimentelle Musik sind beide in Berlin stark vertreten, haben jedoch selten Berührungspunkte. world in a room will den Austausch zwischen beiden künstlerischen Disziplinen ermöglichen und bringt so unterschiedliche Kunstarten beim Publikum zusammen.
Durch die Intimität des Raumes, die besondere Akustik und den direkten Kontakt zu den Musiker*innen wird bei world in a room ein eindrückliches Erlebnis dieser außergewöhnlichen Musik ermöglicht.
Der Projektraum macht Fotografie und Klang – besonders in Zeiten virtueller Welten – wieder unmittelbar physisch erfahrbar und setzt einen Akzent im realen Raum.