Rückschau 2026 - Arbeiten der letzten 2 Jahre
Ausstellung vom 28.03.26 bis 30.05.26
Silke Panknin - Silence
Andy Rumball - Breathe
Maria Jauregui Ponte - Winterschlaf
Anna Aicher - Hagmoar
Robert Klages - Zwischenleben
Ellen Rothenberg - Prototyp / Muster
Andrea Durán - Meine Schwester hat Angst vor dem Weltuntergang
Oded Wagenstein - Like Last Year's Snow
Doro Zinn - Future Kids
see below for english version
Silke Panknin: Silence
In Japanischen Gärten fotografierte Panknin zumeist Bäume, die zum Teil mit riesigen Holzstützen stabilisiert wurden. Oftmals dominierte das Bild der Stützen und schuf so eine Form der
Verletzlichkeit. Alte Bäume, die sich teilweise auflösten, waren partiell mit Stoff umwickelt und wurden am Zerfall gehindert. Bäume, die den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima überlebt hatten,
wurden durch Hanfseile, die um den Stamm laufen, gekennzeichnet und verehrt. Panknins Baum- und Steinportraits sind Zeitbehälter, in denen sich Zeit als geschichtlicher Prozess
materialisiert.
Andy Rumball: Breathe
Das Element, das alle Bilder Andy Rumballs miteinander verbindet sind Bienenstöcke. Auf jeder Fotografie ist irgendwo ein Bienenstock zu sehen. Allerdings geraten wir nie in eine Nähe, die es uns
erlauben würde, die Bienen selbst zu beobachten. Der Künstler hat aus den Bildern Löcher in einem Umfang herausgestanzt, der mit dem Prozentsatz der verschwundenen Bienenkolonien desjenigen Landes
korrespondiert, in dem das Bild entstanden ist. Was sich zunächst als Stabilität und Ruhe präsentiert, implodiert somit buchstäblich vor unseren Augen.
Maria Jauregui Ponte: Winterschlaf
Inspiriert vom Begriff „Winterschlaf“ als Verwandlung, die manche Tiere in der kalten Jahreszeit durchleben, interpretiert Maria Jauregui Ponte in ihrer fotografischen Serie das Gefühl der
Verlangsamung, des Rückzugs und des Innehaltens.
Im übertragenem Sinne empfindet sie die Suche der Tiere nach einem sicheren Ort für den Winter nach: Es wird stiller und dunkler, und die Augen gewöhnen sich langsam an das schwächer werdende Licht.
Geräusche sind nur noch gedämpft wahrnehmbar. Intuitiv lässt sich Maria Jauregui Ponte von dieser besonderen Stimmung leiten.
Anna Aicher: Hagmoar
Das Ranggeln, ein alpines Kräftemessen, ist ein alter Traditionssport: Erste Wettbewerbe fanden schon im Jahr 1518 statt. Anstoß für Aichers Begegnung mit dem Thema war die Möglichkeit, im Salzburger
Freilichtmuseum Archivmaterial dazu zu sichten. Die vorliegende Serie ist eine Fortsetzung dieser Recherchearbeit.
"Durch das Fotografieren alter Traditionen werden gesellschaftliche Fragen sichtbar, die über den Ranggelplatz hinausgehen: der Druck, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, die Suche nach
Verbindung, Zuneigung und Liebe dokumentieren die Leichtigkeit des Spiels, das oft nicht so ernst genommen wird. In der Ausstellung zum emop kombiniere ich historische und aktuelle
Fotografien mit Soundfragmenten von den Orten, an denen diese Rituale stattfinden“ (Anna Aicher).
Robert Klages: Zwischenleben
Viele Menschen existieren zwischen dem Leben der anderen: in Zelten, Jurten, Höhlen oder selbstgebauten Hütten – immer kurz vor der Verdrängung. Oder als Künstler:in, zwischen dem Geld und dem
Eigentum der anderen, aber immer frei. „Zwischenleben“ zeigt Portraits und Orte, die entweder bereits verschwunden sind oder eine ungewisse Zukunft haben. Ein Leben auf der Kippe zwischen
Obdachlosigkeit und Straßenkunst, zwischen Freiheit und Angst.
Ellen Rothenberg: Prototyp / Muster
Die Einzelausstellung PROTOTYP / MUSTER der amerikanischen Künstlerin Ellen Rothenberg präsentiert erstmals neue fotografische Arbeiten mit Bildern aus Chicago, Berlin und Marseille. Die Ausstellung
verfolgt den beschleunigten Wandel zwischen analogen und digitalen Technologien in den Verbindungs- und Kommunikationssystemen im öffentlichen und privaten Raum. Dieser fluide, sich ständig
verändernde technologische Wandel spiegelt sich in den fotografischen Bildsequenzen sowie den Produktions- und Reproduktionstechniken wider.
Gruppenausstellung: Sein und Werden
Die Gruppenausstellung „Sein und Werden“ mit Arbeiten von Andrea Durán, Oded Wagenstein und Doro Zinn wird gezeigt im Rahmen des „Fotohaus Berlin 2026“ der ParisBerlin>fotogroup in Zusammenarbeit
mit Freelens e.V.
Andrea Durán: Meine Schwester hat Angst vor dem Weltuntergang
Andrea Durán untersucht ein zutiefst persönliches und doch universell gültiges Thema anhand eines visuellen und textuellen Dialogs mit ihrer Schwester, die während ihrer Jugend eine intensive Angst vor dem Weltuntergang entwickelte. Duráns Bilder fangen flüchtige Eindrücke ein: künstliches Licht, veränderte Farben und kleine Tiere, die sich in veränderten Ökosystemen zurechtfinden müssen. In diesen poetischen Fragmenten ist die Apokalypse kein Spektakel, sondern ein langsamer Zerfall, der bereits im Gange ist – eine Welt, in der Motten unter neonfarbenen Himmeln die Orientierung verlieren und die Sonne immer näher rückt.
Oded Wagenstein: Like last Year’s Snow
In dem abgelegenen Dorf Yar-Sale in Nordsibirien traf Oded Wagenstein auf eine Gruppe älterer Frauen, die einst Teil einer nomadischen Gemeinschaft von Rentierzüchtern waren. Jetzt leben sie im Alter
in der Einsamkeit, getrennt von der Natur und den Traditionen, die einst ihr Leben geprägt haben. Wagensteins Arbeit befasst sich hauptsächlich mit dem Thema des Älterwerdens und älteren Menschen in
verschiedenen Gesellschaften. In dieser Serie kombiniert er Porträts der Frauen mit Bildern der Landschaft, in der sie einst lebten.
Doro Zinn: Future Kids
Leila, Coco, Mo und İlhan sind vier junge Menschen, die als Kinder muslimischer Einwanderer aus der Türkei bzw. Palästina in Deutschland aufgewachsen sind. Seit 2016 arbeitet Doro Zinn mit ihnen an
Fragen der Identität, Zugehörigkeit und Repräsentation. Sie navigieren durch Identitäten, die von Migrationsgeschichten und zeitgenössischen Realitäten geprägt sind, und bewegen sich dabei zwischen
gentrifizierten Stadtvierteln und Hochhäusern, Hip-Hop und Tradition, Sozialleistungen und Glauben. Ihre Eltern kamen als sogenannte Gastarbeiter:innen nach Deutschland – als Teil der
Nachkriegsarbeitskraft, die nie bleiben sollte.
Silke Panknin: Silence
In Japanese gardens, Panknin mostly photographed trees, some of which were stabilized with enormous wooden supports. The supports often dominated the image, creating a sense of vulnerability. Old
trees, some partially disintegrating, were wrapped in fabric to prevent further decay. Trees that survived the atomic bombing of Hiroshima were marked and revered by hemp ropes wrapped around their
trunks. Panknin's portraits of trees and stones are containers of time, in which time materializes as a historical process.
Andy Rumball: Breathe
Slowly a subplot emerges in each of Andy Rumball’s pictures, one almost hidden, an element which forges a connection between each of the images – Bee Hives. Each photograph features, somewhere within
the frame, the presence of Bee Hives. But we are not so close to observe the Bees themselves, but instead we are given a wider perspective. It’s within this broader context that the mood darkens, a
connection is made between the fate of the bees and the environment they occupy. For each print has had directly cut out of it a percentage of it’s actual weight – relating to the coloney losses of
these insects. These images of stability and tranquil moments, are literaly disintegrating before our eyes within the picture frame.
Maria Jauregui Ponte: Winterschlaf
Inspired by the concept of "hibernation" as a transformation some animals undergo during the cold season, Maria Jauregui Ponte interprets the feeling of slowing down, retreating, and pausing in her
photographic series. Metaphorically, she explores the animals' search for a safe place to spend the winter: It becomes quieter and darker, and their eyes slowly adjust to the fading light. Sounds are
only faintly perceptible. Maria Jauregui Ponte is intuitively guided by this special atmosphere.
Ranggeln, an alpine wrestling contest, is an ancient traditional sport: the first competitions took place as early as 1518. Aicher's encounter with the subject was sparked by the opportunity to view archival material on the topic at the Salzburg Open-Air Museum. This series is a continuation of that research. "Photographing old traditions reveals social issues that extend beyond the wrestling arena: the pressure to meet the expectations of others, the search for connection, affection, and love—all of which document the lightness of the game, which is often not taken too seriously. In the exhibition for emop, I combine historical and contemporary photographs with sound fragments from the places where these rituals take place" (Anna Aicher).
Robert Klages: Zwischenleben (In-Between Lives)
Many people exist between the lives of others: in tents, yurts, caves, or self-built huts—always on the brink of displacement. Or as artists, caught between the money and property of others, but always free.
"Zwischenleben" presents portraits and places that have either already disappeared or have an uncertain future. A life on the edge between homelessness and street art, between freedom and fear.
Ellen Rothenberg: Prototyp / Muster
The solo exhibition, PROTOTYP/MUSTER by American artist Ellen Rothenberg premieres new photographic works with images from Chicago, Berlin and Marseille. The exhibition tracks the accelerating shift between analog and digital technologies on systems of connection and communication operating in public and private spheres. This slippery, ever-changing technological transition is reflected in the photographic image sequences and the techniques of production and reproduction.
Group Exhibition: Sein und Werden (Being and Becoming)
The group exhibition “Sein und Werden” with works by Andrea Durán, Oded Wagenstein and Doro Zinn is shown as part of “Fotohaus Berlin 2026” by the ParisBerlin>fotogroup in cooperation with
Freelens e.V.
Andrea Durán: My Sister Is Afraid of the End of the World
Andrea Durán explores a deeply personal yet universally relevant theme through a visual and textual dialogue with her sister, who developed an intense fear of the apocalypse during her youth. Durán's images capture fleeting impressions: artificial light, altered colors, and small animals struggling to adapt to changing ecosystems. In these poetic fragments, the apocalypse is not a spectacle, but a slow decay already underway—a world where moths lose their bearings beneath neon skies and the sun draws ever closer.
Oded Wagenstein: Like Last Year’s Snow
In the remote village of Yar-Sale in northern Siberia, Oded Wagenstein encountered a group of elderly women who were once part of a nomadic reindeer herding community. Now, they live in solitude in their old age, separated from nature and the traditions that once shaped their lives. Wagenstein's work primarily explores the theme of aging and the elderly in various societies. In this series, he combines portraits of the women with images of the landscape where they once lived.
Leila, Coco, Mo, and İlhan are four young people who grew up in Germany as children of Muslim immigrants from Turkey and Palestine, respectively. Since 2016, Doro Zinn has been working with them on questions of identity, belonging, and representation. They navigate identities shaped by migration histories and contemporary realities, moving between gentrified neighborhoods and high-rises, hip-hop and tradition, social welfare and faith. Their parents came to Germany as so-called guest workers—part of the post-war labor force that was never meant to stay.