sublime spotting        

Kirsten Johannsen

 

Vernissage: Freitag, 3.3.2017, 19.00 Uhr

Einführung von Dr. Anne Marie Freybourg

 

Ausstellung: 4.3. - 27.5.2017

 

sublime - uglyness 2016

Warum ziehen manche Orte uns besonders an? Wodurch werden Gefühle zu einem Ort hervorgerufen? In ihren künstlerischen Arbeiten blickt Kirsten Johannsen auf verschiedene Räume und ihr In-Erscheinung-Treten. Im Mittelpunkt von Johannsens Beobachtungen stehen die unterschiedlichen Bedingungen, die räumliche Atmosphären entstehen lassen und die Imagination der Betrachtenden fördern. Die Künstlerin arbeitet dabei mit unterschiedlichen Medien: Neben raumbezogenen Installationen nutzt sie die Möglichkeiten von Fotografie, partizipativer Interaktion und Videofilm, um Räume und ihre Gestimmtheiten darzustellen.

 

In der Galerie world in a room zeigt Kirsten Johannsen aktuelle Arbeiten. Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die siebenteilige fotografische Serie sublime spotting (2016). Sie zeigt Personen, die vor Landschaften stehen und diese betrachten. Johannsen fügt diesen Fotografien Ansichten des Buches On the Sublime and Beautiful (1757) des englischen Philosophen Edmund Burke hinzu. Es entsteht eine Korrespondenz zwischen Landschaftsaufnahme mit Figuren und Burkes Text über Landschaften. Mit sublime spotting hinterfragt die Künstlerin Wahrnehmungs-gewohnheiten von landschaftlichen Räumen: Betrachten wir Landschaften nach einem ästhetischen Regelwerk oder ist das subjektive Empfinden ausschlaggebend? Ergänzt wird die Fotografieserie durch eine Anleitung, die den Ausstellungsbesucher auffordert, sich ebenfalls in die Natur zu begeben und die eigene Beobachtungsgabe spielerisch zu überprüfen.

 

Im Gegensatz dazu lädt die fotografische Serie fairyTales (2016) die Besuchenden im Galerieraum ein, vierzig Fotografien miteinander zu vergleichen und neu zu arrangieren. Die schwarz-weißen Aufnahmen liegen auf einem Tisch aus, Baumwollhandschuhe liegen zum Überstreifen bereit und regen zum Durchblättern an. Statt einer Chronologie oder topologischen Zuordnung evoziert diese fotografische Reihe Möglichkeiten und Relationen: Die Motive zeigen Landschaften und Orte ohne Schärfe und räumliche Tiefe und bilden atmosphärisch-gestimmte Umgebungen ab, die, je nach der betrachtenden Person, individuell interpretiert und zugeordnet werden können.

 

In place evaluation (2015 – 2017) greift Johannsen mit einer unmittelbaren Geste das In-Erscheinung-Treten von Orten auf. Die Künstlerin nimmt dies nun wörtlich und geht mit einer Sammlung von Adjektiven, die sie zuvor auf  Karteikarten notiert hat, auf Spurensuche. Ihre Erkundung von Orten folgt dabei subjektiven Kriterien. So hält Kirsten Johannsen beispielsweise Eigenschaftsworte wie boring, romantic oder grim vor das Objektiv der Kamera und fotografiert die Wortkarte mit dem Ort. In einem Katalog mit ausgedruckten Abbildungen dieser fotografischen Aktion können die Besuchenden Johannsens Beschreibungen des Ortes und seiner Gestimmtheit nachvollziehen.

 

Einen Ausblick in eine andere visuelle Welt bietet die fotografische Arbeit cloudsMoving (2017). Sie besteht aus großformatigen farbigen Prints, in denen ausschließlich Wolken zu sehen sind. „Die Darstellung dieser naturgewaltigen Himmelsformen und ihre ephemere Schönheit bilden einen vielseitigen Kontrapunkt zu den drei anderen gezeigten fotografischen Arbeiten“ (Johannsen). In der Ausstellung entstehen Wechselspiele zwischen Assoziativem und Konzeptionellem, zwischen der Visualität von Bild und Text, kulturellen und individuellen Vorstellungswelten – die, die Betrachtenden für eine neue Aufmerksamkeit sensibilisiert.

 

Kirsten Johannsen lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin Visuelle Kommunikation (Meisterschülerin) und promovierte 2012 an der University of Plymouth (UK) zu künstlerischen Praktiken in extremen räumlichen Umgebungen.

 

www.kirstenjohannsen.de